Thema Gesundheitsversorgung: Hans Kleehaupt war mit Bundestagskandidatin Kerstin Haimerl-Kunze im Gespräch. Foto: Frau Kleehaupt

08.08.2021
Versorgung auf dem Land stärken - Kerstin Haimerl-Kunze fordert eine Gesundheitsversorgung in der Breite. Das DRG-System soll reformiert werden.

Corona hat es gezeigt, wie unverzichtbar die Krankenhäuser und niedergelassenes medizinisches und pflegerisches Personal im ländlichen Bereich sind. Jeder Notfall bestätigt, wie wichtig eine umfassende Krankenhausstruktur ist. „Um aber weiterhin die flächendeckende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu stärken, muss die Bundespolitik das DRG-System reformieren“, so Kleehaupt.

Das DRG (Diagnosis-related-groups)-System wurde auf Beschluss des Bundesgesundheitsministeriums 2004 als bundesweites Abrechnungssystem für die stationäre Patientenversorgung (ohne Psychiatrien und Reha-Einrichtungen) verbindlich eingeführt. Hinzu kommt die seit 2002 eingeführte Fallpauschale, bei dem stationäre Krankenhausbehandlungen, weitestgehend unabhängig von der Verweildauer des Patienten abgerechnet werden.

Durch die Einführung von Fallpauschalen sind die Krankenhäuser im Gesundheitssystem einem verschärften Wirtschaftlichkeitsdruck ausgesetzt. Da im Gegensatz zur damaligen

Tagessatz-bezogenen Vergütung nur noch ein Fixbetrag erstattet wird. Der Druck, medizinische Leistungen möglichst schnell und effektiv zu erbringen ist längst Realität geworden. „Durch dieses DRG-System muss jedes Krankenhaus gewinnorientiert arbeiten“, erklärt Kleehaupt

Auch die vom Bundesministerium eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen seit 2018 bilden nicht die Versorgungsrealität in den Krankenhäusern ab. Die für 2021 vorgeschlagenen Untergrenzen sollen dafür sorgen, dass nur die schlechtesten 25 Prozent der Personalbelastung angehoben werden sollen. Hier muss dann auch nachgefragt werden, ob die bedarfsgerechte Versorgung nach SGB V und SGB XI dem überhaupt gerecht wird.

Als Bundestagskandidatin der FREIEN WÄHLER und als Sozialpolitikerin kennt Kerstin Haimerl-Kunze diese Probleme aus ihrer beruflichen Expertise und hat klare Forderungen an die Politik: „Wir brauchen eine Reform des DRG-Systems mit Einführung einer Sockelfinanzierung zur Sicherung von Fixkosten sowie vermehrte Sicherungszuschläge, um versorgungsrelevante Krankenhäuser zu unterstützen. Die Ausweitung der Pflegepersonaluntergrenzen muss beendet werden. Wir brauchen endlich das Instrument PPR 2.0 für die Pflege. Hier werden der tatsächlich notwendige Pflegebedarf und die Pflegepersonalausstattung ermittelt, die sich am Bedarf des Patienten orientiert. Der Mensch darf nicht weiter nur ein Kostenfaktor sein. Um unsere ländlichen Krankenhäuser halten zu können und um unsere Pflegefachkräfte sowie niedergelassene Ärzte und Ärztinnen halten zu können, braucht es klare Perspektiven.“