22.11.2019
Wasser – unser kostbarstes Lebensmittel – Flucht vor Grundwasserkontaminierung

Der Kreisverband Landshut e.V. der Freien Wähler  besuchte kürzlich den Zweckverband Rottenburg um sich die neue Aktivkohleaufbereitung zeigen zu lassen. Hans Weinzierl, Freie Wähler Kreisrat und Erster Vorsitzender des Zweckverbandes sowie der Technische Betriebsleiter, Herr Mirko Wand führten und informierten die zahlreich erschienen Besucher. Der Zweckverband versorgt in seinem Gebiet von 504 Quadratkilometer über 38.000 Einwohner mit Trinkwasser. Der Zweckverband ist von insgesamt 16 Gemeinden der Landkreise Landshut, Kelheim und Regensburg gegründet worden und hat die Aufgabe, eine gemeinsame Wasserversorgungsanlage einschliesslich der Ortsnetze zu errichten, zu unterhalten, die Anlage im Bedarfsfall zu erweitern und bereits vorhandene Ortsnetze zu übernehmen. Nach einigen technischen Details ging man gleich an das Grundübel – Nitratbelastung des Grundwassers. Im europäischen Vergleich finden sich in Deutschland und Malta die höchsten Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Die Belastung der Wasserqualität durch die Landwirtschaft nimmt in einigen Gebieten immer noch zu, da einige Verfahren der Intensivlandwirtschaft stark von Düngemitteln abhängig sind. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, um weitere spürbare Verringerungen bei den Nährstoffeinträgen zu erreichen. Dies erfordert eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Bewirtschaftung des Nährstoffzyklus. Insbesondere müssen wir die Effizienz des Einsatzes von Düngemitteln verbessern. Im Januar 2014 wurde in Hohenthann das Pilotprojekt "Landwirtschaft und Trinkwasserschutz" vorgestellt. Bis dato haben wir in Hohenthann immer noch einen viel zu hohen Nitratwert von 48,5 mg, verschuldet letztlich durch Überdüngung aus der Landwirtschaft. Früher gab es in den Böden noch einen natürlichen Abbau des Nitrats durch die Selbstreinigungskräfte der Fließgewässer und des Bodenfilters, der aber bereits seit vielen Jahren verbraucht ist. Was oben zuviel zugeführt und nicht verbraucht wird, geht halt mal nach unten und verunreinigt unser Grundwasser. Hierbei geht es nicht nur um die Gülle sondern auch um Überdüngung. 70 % der Nitrateinlagerung kommt aus der Gülle. Vor allem die hohen Nitratbelastungen, aber auch Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln bringen uns immer näher an die Grenzwerte. Handlungsbedarf ist sofort geboten. Brunnen müssen aufgegeben und durch neue ersetzt werden. Der Bau von Wasseraufbereitungsanlagen liegt bei 5 bis 7 Millionen sowie einen Anstieg der Betriebskosten um mindestens 20 Cent/m³, zudem haben wir durch die Nanofiltration eine deutlich erhöhte Schadstoffkonzentration in einem wesentlich geringen Volumen. Die Frage der Entsorgung ist momentan noch nicht geklärt. Eine solche Aufbereitung sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Was wäre also eine Alternative dazu? Der Zweckverband hat sich daher entschlossen ein größeres landwirtschaftliches Grundstück zu erwerben um hier eine grundwasserschonende Bewirtschaftung durchzuführen. Der Pächter pflanzt hier Energiegras mit dem Vorteil, dass er keine Düngemittel mehr braucht. Dadurch verzichtet er zwar auf einen maximalen Ertrag, drückt aber den Nitratgehalt ungemein. Wenn man hier die Landwirte mit einem Zuschuss unterstützen könnte, wäre der Nitratgehalt des Wasser wieder in einem ordentlichen Bereich und wir hätten eine Win-Win Situation. Der Zweckverband Rottenburg ist bereit hierzu  eine Grundlage zu schaffen. Es macht natürlich nur Sinn, wenn sich viele Gemeinden und Landwirte dem Projekt anschließen würden.

Seit 1. September 2015 ist die Aktivkohleaufbereitungsanlage in Pattendorf in Betrieb und die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, hinsichtlich der Pflanzenschutzmittel (Desethylatratzin ) können wieder eingehalten werden. Aktivkohle holt alle Chemie aus dem Wasser und schützt trotzdem die Mineralstoffe, somit haben wir ein lebendiges gesundes Wasser, bei der Nitrataufbereitung ist das Wasser tot (Industriewasser). Drei große Behälter mit je 35.000 Liter sind mit 20 cbm Aktivkohle pro Behälter befüllt. Die Aktivkohle wird in Frankreich und China hergestellt. Die Anlage läuft seit dem 01.10.2015. In 3 – 4 Jahren muss die Aktivkohle wegen Schadstoffsättigung gewechselt werden. Die verbrauchte Aktivkohle wird dann als Sondermüll in z.B. einem Salzbergwerk eingelagert.  Wasserdurchlauf ca. 20 – 60 Liter in der Sekunde.

Innerhalb weniger Jahrzehnte haben wir unser Grundwasser so geschädigt, dass wir es nur noch durch diverse Aufbereitungstechniken trinkbar machen können.

Alles dem waschsenden Wohlstand unterzuordnen, selbst unser wichtiges Lebensmittel WASSER, sollte uns zu denken geben! Verlierer sind letztlich wir selbst und die nachfolgenden Generationen!

Anschließend wurde im Gasthaus Forstner in Gisseltshausen noch rege über die gewonnen Eindrücke diskutiert.